"...Die Verbindung des Stieropfers mit der Figur eines Heiligen fasziniert Duttenhoefer außerordentlich. Unter den diversen Legenden, die Heilige mit einem Stier in Zusammenhang bringen, erscheint Synesius von Nikomedien auf verschiedenen Darstellungen mal in Pontifikalkleidung, mal als Laie, der einen Stier in zwei Hälften teilt. Das Bild von den zweierlei Naturen Geist und Fleisch wird in den plastischen Kontrahenten Bischof und dem an einem Seil hochgezogenen Stierleib signifikant. Der Stier, das Herdentier von gedrungener Statur und wildem Naturell als "gekreuzigtes" Schlachtvieh, bietet dem Bischof ein provokantes Andachtsbild. Bei ihm, dem Oberhirten, dominiert das Verdeckte und Verborgene, eingebunden in die Grundform der Pyramide, in der Duttenhoefer eine hierarchische Form sieht. Über den Opfergedanken verbindet sich der Themenkreis von Gewalt und Schuld, die auf den Manschen und die Natur ständig ausgeübt wird, mit den volkstümlich-heidnischen Bittopfern, in die man im weitesten Sinne auch die Stiergefechte mit einbeziehen kann, sowie mit dem christlichen Glauben an das am Kreuz erlittene Martyrium Christi in Stellvertretung für die ganze Menschheit..."

Martina Rudloff

Fascinans et tremendum I 2004, Eisenguss 40 x 56 x 21
Fascinans et tremendum I 2004, Eisenguss 40 x 56 x 21o.T. 1997, Bronze 37,5 x 42,5 x 20Die Grenzen meiner Sprache sind die Grenzen meiner Welt I 20Sturz 2002, Bronze, 40 x 22 x 35Gestürzter Stier 1991, Bronze, 36 x 46 x 23cmStier 2003, Eisen, 21 x 45 x 21cm